REVIEW BY BLACKLIGHT-MAGAZIN [Germany]:

Phallus Über Alles - Iron Woman
Fatal / Alive

- Hanin Elias, einstiges Mitglied von Atari Teenage Riot, ist offenbar auf dem besten Wege, ihr Label Fatal Recordings zur Hochburg für trashig-brachialen Electro-Punk zu machen. Nach dem exzellenten Album von Vanishing sind nun auch Phallus Über Alles unter Vertrag und "Iron Woman" klingt verdammt nach Rrrrrrriot!!! Der Bandname Phallus Über Alles klingt, vermutlich vornehmlich für einen männlichen Rezensenten, irgendwie ein klein wenig nach gefährlicher, zu allem bereitem Frauenpower. Und ganz so verkehrt liegt man mit dieser Befürchtung auch nicht, wenngleich für die Herren der Schöpfung hier nicht mehr und nicht weniger Gefahr droht als für die weiblichen Hörer. Entgegen jeder Mutmaßung stammen Phallus Über Alles nicht aus Berlin, sondern den USA - genauer genommen dem Bundesstaat Indiana. Hier treibt Diesel, die Initiatorin des Projektes, bereits seit Jahren ihr Unwesen als DJane und Aktivistin gegen die Unterdrückung von Frauen und amerikanischen Konsumzwang. Dementsprechend deutliche Worte bekommt man in den Texten um die Ohren gefeuert, die zwar nicht im Booklet abgedruckt aber auf der Website des Labels nachzulesen sind. Und überhaupt nehmen Diesel und ihr an "Iron Woman" betetiligter Partner Remy weder ein Blatt vor den Mund noch Rücksicht auf die Hörgewohnheiten des Konsumenten. Dieser wird von Phallus Über Alles gute vierzig Minuten lang mit einem digital-akustischen Overkill der seinesgleichen sucht traktiert, weshalb die eingangs erwähnten Befürchtungen eben auch nicht unberechtigt waren. Diesel nimmt in ihren Texten jedoch nicht nur die männliche Macker-Gesellschaft aufs Korn, sondern schießt auch gegen das eigene Geschlecht, alles nicht selten mit einem Augenzwinkern bedacht. Zeit zum Ausruhen, Sillsitzen oder entspannten Zuhören bleibt dem Konsumenten auf diesem Werk kaum, denn die wenigen Momente in denen der Phono-Orkan auf Windstärke 8-10 abfällt dienen einzig und allein dazu, das Überleben zu sichern. Luft holen, tief durchatmen, weiter geht´s! Phallus Über Alles sind trashig wie die Dead Kennedys, so schnell wie Exploited und offenbar so wütend wie Saddam Hussein gewesen sein muß, als der amerikanische Präsident sein Land platt gemacht hat. ine Überdosis an Breakcore-Beats katapultiert das ganze ins digitale Zeitalter und irgendwie klingt das als habe man mit Musikern von Prodigy, Ministry und Chicks On Speed die legendären Atari Teenage Riot wiederbelebt, ohne Gitarren zwar, dafür aber mit der doppelten Portion Riot. Ein Album für schwache Nerven ist "Iron Woman" auf gar keinen Fall und wenn man gerade nicht in der richtigen Stimmung ist, mag einen der Sound auf die Palme bringen und in den Wahnsinn treiben. Doch wenn mal wieder so´n richtiger Scheißtag ist, man eine Riesenwut im Bauch hat, die einfach raus muß, dann helfen Phallus Über Alles sicher besser als Arzt oder Apotheker. Und davon ab, "Future Homemakers Of America" und "Beast" sind zwei Titel, die man durchaus auch zu jeder Zeit hören kann. Perfektes Futter für die nächste Electroclash-Disse, nicht zuletzt weil "Beast" durch Rhythmik und Machart ein ganz klein bißchen an die Mediengruppe Telekommander erinnert - nur eben mit ´nem Girl am Mikro."

Back to Press Section

Visit Reviewer Site